Der Handymarkt in den USA

Der US-Handymarkt und das ganze Telefonsystem ist für Aussenstehende ebenso undurchschaubar und verwirrend wie das amerikanische Fernsehen. Die Größe des Landes hat die Entwicklung in diesem Bereich im Vergleich zu Deutschland stark verkompliziert. Zum Handymarkt in Europa gibt es in den USA sowohl Gemeinsamkeiten als auch gravierende Unterschiede, und beide sind meist sehr überraschend.

                

Fangen wir einmal mit ein paar Grundbegriffen an. Bekanntlich heissen Handies in den USA "cellular phones", abgekürzt als "cell-phones" oder "cellies". Mobilfunk heisst "wireless", und Tarife heissen in den USA "plans". SMS wird als "text messaging" bezeichnet. Ein aus Europa bekanntes Wort, das "roaming", bedeutet in den USA dasselbe, hat jedoch eine noch wichtigere Bedeutung, da nicht alle Mobilfunkanbieter landesweit vertreten sind. Deshalb ist "roaming" selbst dann nötig, wenn man nur innerhalb der USA unterwegs ist.
Cell-phones hatten in den USA einen früheren Durchbruch als in Europa, denn schon Mitte der 90er Jahre entdeckten die Anbieter die Privatkunden für sich. In Europa verbreiteten sich Handies erst Ende der 90er Jahre richtig stark. Dafür ist der Markt in Europa aber um einiges schneller gewachsen, weshalb die USA und Europa inzwischen gleichauf sind.
Die Kosten des Mobilfunk waren aus diesen Gründen in den USA schon seit jeher sehr günstig. Subventionierte Geräte gab es bereits Mitte der 90er Jahre zu Preisen von 20$, und die Verbindungskosten waren ebenfalls auf sehr attraktivem Niveau, so wie heute in Europa. Zusätzlich gab es in den USA damals wie heute Bonusangebote wie "free weekends" oder "free nights", wo zu bestimmten Zeiten umsonst telefoniert werden kann. Die heutigen "plans" sehen wie die neueren Tarife in Deutschland einen monatlichen Festpreis vor, welcher eine bestimmte Minutenanzahl und kostenlose Bonuszeitrahmen enthält. Zusätzlich dazu gibt es oft noch einen Bonus, der in Deutschland gänzlich unbekannt ist: Anrufe auf andere Handies des gleichen Anbieters sind zu allen Zeiten umsonst. Die Geräte die es in den USA gibt sind größtenteils dieselben wie sie in Europa angeboten werden, die Hersteller sind dieselben (Motorola ist ja sogar amerikanisch) und auch dort gibt es bei subventionierten Handies das berühmte "branding", wo ein Mobilfunkbetreiber sein Logo auf die Geräteoberfläche druckt und seine individuelle Software auf das Gerät aufspielt. Prepaid-Handies gibt es in den USA natürlich auch.

   

Mobilfunkanbieter in den USA:

 

                

AT&T Wireless
Cingular Wireless
Verizon Communications
Cellular One

T-Mobile (ja, die deutsche Telekom, grrr! Unverschämtheit. Sogar die Werbung mit dem schwulen rosa ist gleich.)
 

Nun kommen wir zu den Unterschieden des amerikanischen Handymarktes im Vergleich zu Europa. Bekanntlich haben Handies in Deutschland eigene Netzvorwahlen wie bsw. "0172" usw. In den USA dagegen sind alle Handynummern in die normalen Telefonnetze integriert! Man hat also in seiner Handynummer den "area code" der Gegend, in der man das Handy angemeldet hat, d.h. wo man wohnt. Von einem Festnetzanschluss desselben area codes genügt es daher, die 7-stellige Nummer ohne Vorwahl zu wählen. Auf amerikanische Telefonnummern werde ich weiter unten näher eingehen. Ein weiterer wichtiger Unterschied zu Deutschland, welcher auch mit der Integration in das normale Ortsnetz zu tun hat, ist die Tatsache dass für eingehende Anrufe auf dem Handy immer der Handybesitzer bezahlen muss. Der Anrufer bezahlt, vorrausgesetzt er ruft aus der Heimatgegend des Handies an, dasselbe wie bei einem normalen Ortsgespräch: nichts. Wer ein Handy besitzt, der bezahlt also stets selbst dafür, dass er überall erreichbar ist. Von der Idee des Handies her ist dieser Ansatz sicher der richtigere, wenn man kurz darüber nachdenkt. Cell-to-cell-Anrufe kosten wie gesagt meistens nichts, wenn es sich um denselben Anbieter handelt. Bei unterschiedlichen Anbietern bezahlen dann sowohl Anrufer als auch Angerufener für das Gespräch: jeder bezahlt seinen Anbieter. Weiterhin ist zu erwähnen dass in Amerika auf einer anderen Frequenz mobil telefoniert wird. Während in Europa 900 Mhz (D-Netze) und 1800 Mhz (E-Netze) gelten, wird in Amerika 1900 Mhz verwendet. Möchte man mit einem Handy aus Europa also in den USA telefonieren, so benötigt man ein Tri-Band oder Quad-Band-Handy. Motorola war der erste Anbieter von Tri-Band-Handies, während heute fast alle Anbieter solche Geräte im Programm haben.

 

Durch die Explosion des Handymarktes, welche ja sowohl in Europa wie auch in den USA stattfindet, gibt es durch das Telefonnummernsystem in Amerika ein gewaltiges Problem: Es gibt natürlich nur eine begrenzte Anzahl an Ortsnetznummern, welche die vielen neuen Handies nicht unterbringen können. Die Telefonnummern in Amerika haben immer exakt 7 Stellen, wobei die ersten 3 Ziffern für eine Gegend gleich sind. Die Form einer US-Nummer ist also 555-4567. Davor wird der 3-stellige "area code" gesetzt, wenn man ein Ferngespräch führen will. Am Anfang wird noch die "1" gesetzt, wie bei uns die "0". Bei einem Ferngespräch wählt man also eine Nummer der Form 1-222-555-4567. Die Lösung für das Nummernproblem ist letztlich so simpel wie genial: Die Ortsnetze werden einfach weiter unterteilt als bisher, und es werden neue "area codes" eingeführt. Hatte man in einer großen Stadt bisher nur eine Vorwahl, so hat man jetzt 4 Vorwahlen. Innerhalb des Gebietes dieser Stadt werden diese "area codes" in die normalen Telefonnummern integriert, so dass man bei Ortsgesprächen jetzt 10-stellige Nummern wählt. Diesen Schritt ging man, damit wie bisher innerhalb der ganzen Stadt Ortsgespräche geführt werden können, auch wenn man in den anderen "area code" anruft. Im Klartext heisst das: man befindet sich in einer Stadt mit mehreren Vorwahlen, und hat selbst den "area code" 222. Man will seinen Nachbarn anrufen und wählt 222-555-4567. Man will im "area code" 223 in derselben Stadt -anrufen und wählt 223-555-4567. Man ruft in einer anderen Stadt an und wählt 1-334-555-4567. Letzterer Fall war früher genauso, während man innerhalb derselben Stadt lediglich 555-4567 wählen musste.

 

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