Die besten Rap- und R&B-CD's des Jahres 2004

Nachdem die Erscheinungen von Rap-CD's nach dem Ende der 90er Jahre stark abgenommen haben, gleichzeitig aber ein wahrhafter R&B-Boom begonnen hat, war das Jahr 2004 (zusammen mit 2001) das bis jetzt bemerkenswerteste CD-Jahr des neuen Jahrzehnts. Und dabei sah es in den ersten Monaten noch gar nicht so vielversprechend aus! Weder bei Rap noch bei R&B tat sich bis Mai etwas, und es sah lange so aus also ob die Westside Connection mit "Terrorist Threats" und Jay-Z mit "Black Album" (beide Alben erschienen im Dezember 2003!) die Ära des Gangsta Rap mehr oder weniger abgeschlossen hätten. Sogar Schützenhilfe aus Grossbritannien brauchten wir Anfang 2004, als Jamelia für einige Zeit den Ton beim R&B angab.

Aber dann kam alles ganz anders. Ab Mai folgte ein CD-Hammer nach dem anderen, und können nun auf ein wirklich cooles Black-Music-Jahr zurückblicken, wie wir es bisher nur aus den 90ern kannten. Ich will meine persönlichen Top-15-Black-Music-Alben von 2004 nun in mehr oder weniger chronologischer Reihenfolge vorstellen (im Sommer gab es ja einige Überschneidungen).

Brandy: "Afrodisiac"

Das erste überraschende Comeback des Jahres eines Black-Music-Superstars. Wie auch die vorausgehenden Alben ist "Afrodisiac" erstklassiger R&B. Brandy hat eine unschlagbare Stimme!

Twista: "Kamikaze"

Ein Newcomer, der mit unglaublich schnellen Raps überzeugt, und der gleichzeitig den Ton bei den R&B-Charts angibt. Die Gaststars des Albums können sich sehen lassen, auch R. Kelly gibt sich die Ehre.

Nina Sky: "Nina Sky"

Die wohl bemerkenswertesten Newcomers 2004. Denn, man mag es vom alleinigen hinhören kaum glauben, die Mädels aus New York sind weiss! Sie sind Nicole und Natalie, und ihr Black-Music-Debut-Album ist nicht weniger überzeugend wie die CD's von vielen Black Girls! Die Single "Move ya body" war weltweit der absolute Megahit des Sommers 2004 und konnte von Tel Aviv über Kreta und Miami bis nach L.A. aus den Sound Systems von Autos und in sämtlichen Clubs gehört werden. Egal wo man war, es war unmöglich, dieses Lied nicht zu mitzukriegen! Die CD überzeugt auf der ganzen Linie und steht der Single in nichts nach!

213: "The Hard Way"

Damit hätte wohl niemand mehr gerechnet! Eine noch grössere Überraschung als die neue Scheibe der Westside Connection von 2003, da alle drei beteiligten Rapper bereits Mammutkarrieren hinter sich haben. Seit jeher wissen wir, dass sich die drei Rapper als 213 bezeichnen, nur haben wir auf die Inkarnation in Form einer eigenen CD bislang warten müssen. Snoop, Nate und Warren G stellen hier ein Album vor, das überzeugend aufzeigt, dass Gangsta Rap nicht nach Ende der 90er begraben wurde sondern nach wie vor top ist! Auf dem Album ist sogar ein Remake eines Rick James Klassikers, nämlich von "Mary-Jane", begleitet von einem coolen Interlude. Dieses Album ist für jeden Rap-Kenner ein absoluter Pflichtkauf, auch ohne nur einen einzigen Ton davon gehört zu haben. Die Namen der drei Rapper genügen als Kaufgrund. Und ich kann bestätigen: die Erwartungen werden absolut erfüllt und sogar übertroffen!

Ma$e: "Welcome Back"

Diese CD ist eigentlich nicht überzeugend! Warum steht sie dann hier? Die Antwort ist recht simpel: der einzige Grund ist die Tatsache, dass es diese CD gibt. Denn immerhin hat der Ex-Gangsta-Rapper Ma$e die Szene ab 1997 mitbestimmt und zu großen Teilen den Hype von Puffy's Label "Bad Boy Records" getragen. Ende 1999, nach dem mässigen Erfolg seines zweiten (mit diesem Album verglichen aber immer noch hervorragenden) Albums hat sich Ma$e zurückgezogen um "Gott zu finden", wie er es nennt. Nun meldet er sich 5 Jahre später, völlig unerwartet, als "bad boy gone clean" zurück, will zwar weiterhin Rap machen, aber drückt sich von nun an nur noch höflich aus. Inhaltlich ist die CD nur mässig, es fehlen die coolen Interludes, die Bad Boy immer hatte ("Mad Rapper", "She was not 19", ...), und mit Meisterstücken wie "Tell me what you want" hat dieses Album wirklich gar nichts mehr zu tun. Bekannte Gastfeatures - Fehlanzeige! Auch diese CD wurde dennoch von "Bad Boy" produziert, das sich ja nun eigentlich zu "Clean Boy" umbenennen müsste. Ma$e will offenbar das Rad neu erfinden: ein Rapper, der religiös ist. Nur verkennt er dabei leider völlig, dass fast alle Rapper sehr gläubig sind, deshalb aber trotzdem anständigen Gangsta Rap abliefern können. Der Verzicht auf Fluchwörter macht den Glauben nicht aus, lieber Ma$e. Um es in den Worten des late great 2Pac zu sagen: "only God can judge me. All you other motherfuckers get outta my business!"

LL Cool J: "The DEFinition"

Der Titel des Albums weckt grosse Erwartungen. In der Tat ist LL seinem alten Stil im wesentlichen treu geblieben, die funk-igen Beats sind auch auf diesem Album zu finden. Ein Track mit R. Kelly ist wirklich sehr cool. Was ein wenig enttäuscht ist, dass es nur 11 Tracks gibt, und dass eben nicht jeder Track überzeugt. An die letzten Hammeralben wie "G.O.A.T." oder "10" kommt die CD bei weitem nicht heran, sie ist am ehesten mit "Phenomenon" zu vergleichen. Aber keine schlechte CD, und ein weiteres Album des dienstältesten Gangsta Rappers überhaupt (seit 1985 im Geschäft!) ist natürlich schon eine kleine Sensation an sich, die das Black-Music-Jahr 2004 sehr bereichert.

Ciara: "Goodies"

Ein neues R&B-girl aus Atlanta ist da! Genau wie Nivea vor zwei Jahren überzeugt auch Ciara mit ihrem Debutalbum, das erstklassigen R&B auf der Höhe der Zeit liefert. Mit der Single "Goodies" kommen die trendigen Partybeats ala "Move ya body" nicht zu kurz (allerdings als Sommerhit etwas zu spät, wenn man sich in kühlen Breiten aufhalten muss), und auch ansonsten bietet das Album tolle langsame und groovige R&B-Tracks die sich schnell in's Gedächtnis einprägen. Auch auf diesem Album ist wieder einmal R. Kelly zu Gast, der sein Talent bei "Next to you" einbringt. Neben den Zwillingen von "Nina Sky" ist Ciara die beste Newcomerin des Jahres 2004.

R. Kelly & Jay-Z: "Unfinished Business"

Nach ihrer ersten gemeinsamen Zusammenarbeit, dem Album "Best of Both Worlds" ist es eine weitere Überraschung dieses Jahres, dass die beiden Superstars ein follow-up aufgenommen haben, zudem Jay-Z seine Rap-Karriere ja letztes Jahr mit dem "Black Album" offiziell beendet hatte. Auch eine gemeinsame Tour zum Album gab es in den USA, die dann allerdings aufgrund eines Streits zwischen R. Kelly und Jay-Z abgebrochen werden musste (vor diesem Hintergrund erscheint der Albumtitel in einem ganz neuen Licht...). Die CD ist aber in jedem Fall erstklassig und erreicht lediglich aufgrund der geringen Track-Anzahl (11, von denen zwei Lieder lediglich Remixes sind) nicht ganz die Qualität des ersten Albums. Das Cover ist eines der besten Black-Music-Covers die ich kenne.

Destiny's Child: "Destiny Fulfilled"

Auch daran hätte wohl niemand geglaubt: nachdem Beyoncé  in den letzten Jahren allein die R&B-Charts zu großen Teilen bestimmt hatte, und auch Kelly recht erfolgreich war, finden sie sich nun mit Michelle wieder zusammen um ein weiteres Album als "Destiny's Child" aufzunehmen. Die erste Single "Lose my Breath", ein cooler Partytrack, wurde im Radio vorgezogen und daher bereits im Spätsommer rauf und runtergespielt, so dass man es fast noch als Sommerhit bezeichnen könnte. Auf dem coolen Album überwiegt die bekannte Stimme von Beyoncé, was aber nicht negativ auffällt. Insgesamt sind die 12 Tracks alle sehr gut und groovie, eben das was man von Destiny's Child erwartet. Im nächsten Jahr kommt die zugehörige Tour auch nach Europa, wobei tatsächlich auch 4 Konzerte in Deutschland stattfinden werden.

Nas: "Street's Disciple"

Nachdem sich sein Lokalrivale Jay-Z letztes Jahr aus dem Geschäft verabschiedet hatte, trumpft der Altmeister von der East Coast noch einmal auf. Nachdem sein letztes Album vor 2 Jahren, "God's Son" auch irgendwie etwas endgültiges hatte, kommt nun doch noch einmal eine Fortsetzung, und das nicht zu knapp: "Street's Disciple" ist eine Doppel-CD, die erste von Nas. Sie ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht erschienen, erst Ende November liegt sie in den Regalen. Aber Nas ist einer derjenigen Rapper, die nie sonderlich von ihrem altbewährten kultigen Stil abgekommen sind, und so darf man vom neuen Album des Nasir Jones aus Queens Bridge durchaus auch Altbewährtes erwarten. In der Reihe der "Comebacks 2004" ist dieses Album ohne Zweifel ein weiterer Meilenstein.

Snoop Dogg: "R&G - the Masterpiece"

Der Doggfather war dieses Jahr ja schon einmal tätig - das Album von 213 im Sommer mit seinen Kollegen Warren G und Nate Dogg war ja schon ein Meisterwerk. Nun legt er zum Ende des Jahres noch einmal selbst nach, mit dem nunmehr zweiten eigenen Album aus seinem eigenen Haus "Doggystyle Records". Nach langem "Exil" beim Südstaaten-Label "No Limit" hat er es 2000 endlich geschafft, sein eigenes Label mit dem "Eastsidaz"-Release erfolgreich zu starten. Von "R&G" darf man wieder einiges erwarten, es sind Snoop-typisch wieder viele Tracks und zahlreiche Gaststars angesetzt. Sogar Justin T. hat sein R&B-Talent offenbar ausreichend gewetzt um hier dabei sein zu dürfen.

Fabolous: "Realtalk"

Der Rapper Fabolous ist im neuen Jahrzehnt erst bekannt geworden, und zwar hauptsächlich durch zahlreiche Collabos mit bekannten Black-Music-Stars. Zu seinen absoluten Meisterstücken gehört "Into you" mit Ashanti. Nun ist er mit seinem zweiten Album wieder da und begrüsst wieder zahlreiche Gaststars.

Xzibit: "Weapons of Mass Destruction"

Der coole X meldet sich nach zweijähriger Abwesenheit auch wieder in's rap-game zurück. In letzter Zeit war er ja häufiger in der KfZ-Werkstatt als im Studio anzutreffen, seine MTV-Show "Pimp my Ride" ist sehr erfolgreich. Seine Bekanntheit verhilft ihm bei seinem neuen Album vielleicht zu neuen Rekorden.

2Pac: "Loyal to the Game"

Es ist einfach unfassbar, wie ein Rapper der seit 1996 tot ist, mehr CD's als vor seinem Tod veröffentlichen kann und es insgesamt auf mehr Releases bringt als die meisten lebenden Rapper. Seine letzten Veröffentlichungen waren meistens sehr ordentlich, auch wenn kein neues Album den Kult-Status von "All Eyez on Me" erreichen konnte. Aber trotzdem gehört ein neues 2Pac-Album immer zu den Top-Favoriten des Jahres, und so wird es auch 2004 sein. Als Produzent ist neben Pac's Mutter Afeni Shakur auch Eminem zu nennen.

Ashanti: "Concrete Rose"

Kein anderes R&B-girl hat das neue Jahrzehnt bisher so stark und vielfältig geprägt wie Ashanti. So gut wie alle Collabos bei denen sie mit ihrer hellen klaren Stimme dabei war, sind bisher Megahits der Black-Szene geworden. Nun erscheint zum Abschluss des Black-Music-Jahres 2004 ihr bereits drittes Album, eine kleine Überraschung und zugleich eine weiteres Highlight.

Ein Jahr voller Überraschungen haben wir also hinter uns, wobei ich Anfang des Jahres nicht gedacht hätte, dass ich auch nur einen einzigen Cent für eine (neue) CD ausgeben würde/könnte. Einige der bekanntesten Gangsta Rapper haben dieses Jahr mehr als deutlich gemacht, dass Rap so lebendig ist wie in den legendären 90ern, und die tollen Newcomers und Altstars im R&B-Bereich haben gleichzeitig gezeigt, dass sich R&B und Rap  gegenseitig nicht kanibalisieren. Was es zu bemängeln gibt, ist die abnehemnde Anzahl von Tracks pro CD, was zur Zeit im Trend zu liegen scheint. Was für Newcomers in der Regel Sinn macht, ist für Altstars nicht immer die optimale Entscheidung. Jedoch gibt es ja genügend positive Gegenbeispiele. Weiterhin ist der Abstieg des Bad-Boy-Labels ein einziges Trauerspiel, was im neuen Werk von Ma$e als grobe Unverschämtheit gipfelt! Für ein Label, das die zweite Hälfte der 90er beim Gangsta Rap geführt hat, ist wahrhaft nicht viel übrig geblieben.

Abgesehen von 2001 war im grossen und ganzen 2004 aber natürlich das beste und bemerkenswerteste Black-Music-Jahr des neuen Jahrzehnts, und steht den 90ern insgesamt wirklich in nichts nach. Wie sich die Sache in den kommenden Jahren entwickelt, wird abzuwarten sein. Wir wissen bisher nur bei sehr wenigen Rapper sicher, ob sie weiterhin aktiv bleiben oder sich zu Ruhe setzen werden. Beim R&B können wir uns aber bereits sicher auf das neue Jahr freuen: ein neues Album von Nivea ist angekündigt, der erste Track "Okay" mit Lil' Jon und Youngbloodz ist teilweise schon hier und dort zu hören.

Datenschutzerklärung
Kostenlose Homepage erstellen bei Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!